Am Montag, 03.02.2025 hat sich das Bündnis der Partnerschaft für Demokratie im Landkreis Dachau konstituiert. Das Bündnis ersetzt in der III. Förderperiode 2025 – 2032 des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend den Begleitausschuss. Es setzt sich mehrheitlich aus Vertreterinnen und Vertretern lokaler Netzwerke und zivilgesellschaftlicher Initiativen sowie ergänzend von Behörden und Verwaltung sowie anderen Institutionen wie Sozialverbänden zusammen. Landrat Stefan Löwl hat den Vorsitz inne. Das Bündnis berät zur strategischen Ausrichtung der Partnerschaft für Demokratie und entscheidet über die Vergabe von Fördermitteln für Projekte von zivilgesellschaftlichen Vereinen und anderen Organisationen in den Themenfeldern “Demokratie fördern”, “Vielfalt gestalten” und “Extremismus vorbeugen”. Ziel ist es, demokratische Werte zu stärken, für Vielfalt einzustehen und gemeinsam gegen jegliche Form von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit vorzugehen.
Identifikation der Herausforderungen im Landkreis
In der ersten Sitzung des Bündnisses wurden zentrale Herausforderungen in den Themenfeldern „Demokratie“, „Vielfalt“ und „Extremismus“ im Landkreis Dachau identifiziert. Hervorgehoben wurde insbesondere die Notwendigkeit einer umfassenden politischen Bildung für alle Altersstufen sowie die gezielte Schulung pädagogischer Fachkräfte. Schulen wurden als Spiegelbild gesellschaftlicher Entwicklungen erkannt. Zudem wurde auf den Schutz demokratischer Akteure und Gefahren für die Erinnerungsarbeit und kulturelle Einrichtungen hingewiesen. Es wurde betont, Angebote für demokratieskeptische Menschen zu schaffen, angemessen auf Vorfälle gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit zu reagieren und den digitalen Raum nicht zu vernachlässigen. Darüber hinaus sollen Austauschmöglichkeiten für verschiedene Kulturen geschaffen und Inklusion in sämtlichen Lebensbereichen berücksichtigt werden. Die Mitglieder des Bündnisses werden in den nächsten acht Jahren gemeinsam an Strategien und Lösungsansätzen arbeiten, um diesen Herausforderungen zu begegnen. Darüber hinaus sollen die Ziele und Inhalte des Bundesprogramms “Demokratie leben!“ in Zukunft auch in die eigenen Wirkungsbereiche getragen werden.
“Das Bündnis ist ein eindrucksvoller Zusammenhang aus sozialen, kulturellen, zivilgesellschaftlichen und politischen Akteuren. Mit dieser Vernetzung schaffen wir eine lokale Verantwortungsgemeinschaft für gesellschaftliche Herausforderungen und fördern das demokratische Engagement im Landkreis für Partizipation und Vielfalt und gegen Ausgrenzung, Hass und Hetze”, betont Manuel Liebig, Leitung der Koordinierungs- und Fachstelle der Partnerschaft für Demokratie im Landkreis Dachau.
Fördermittel in Höhe von 35.000 Euro
Für das Jahr standen Fördermittel in Höhe von 35.000 Euro im Aktions- und Initiativfonds zur Verfügung. Diese sollen von Vereinen und Institutionen für Demokratieförderung, zum Abbau von Diskriminierung und Vorurteilen, zur Unterstützung von gesellschaftlicher und sozialer Integration, für kulturelle Vielfalt und gegen Erscheinungsformen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit wie Rassismus und Antisemitismus eingesetzt werden. Das Bündnis vergab die Förderung an 15 Projekte und schöpfte so die zur Verfügung stehenden Mittel zur Umsetzung vielfältiger Initiativen fast gänzlich aus. Darüber hinaus gibt es für Jugendliche auch die Möglichkeit, selbst Anträge über den Jugendfonds zu stellen. Hierüber entscheidet der Jugendkreistag mit einem eigenen Budget von 5.000 Euro aus den Mitteln der Partnerschaft für Demokratie.
So wurde beispielsweise die Veranstaltungsreihe „Von nix kommt nix! – Zusammen demokratisch“ vom Runden Tisch gegen Rassismus unterstützt. So fand unter anderem eine Podiumsdiskussion zur antirassistischen Politik nach der Bundestagswahl, eine Schulveranstaltung zum Nahostkonflikt und das Theaterstück „Klimamonologe“ statt.
Unter dem Motto „Menschenwürde schützen“ bot der Tag gegen Rassismus in Dachau ein vielfältiges Programm: mit der Ausstellung „Was ihr nicht seht!“, die Alltagsrassismen sichtbar machte, einer öffentlichen Preisverleihung des Videowettbewerbs „Was bedeutet Rassismus für dich?“ und zahlreichen weiteren Formaten wie einer Filmvorführung zum Ankommen in Deutschland wurde das Thema von vielen Seiten beleuchtet. Ergänzend zur Hauptveranstaltung wurden Workshops für Schüler*innen durchgeführt, in denen junge Menschen vertieft über Rassismus, Diskriminierung und ihre Auswirkungen ins Gespräch kamen und sich kritisch mit den Themen auseinandersetzten. Ziel der Angebote war es, Bewusstsein zu schaffen, Diskriminierungserfahrungen sichtbar zu machen und die Auseinandersetzung über Rassismus im lokalen Kontext zu stärken.

Ebenso wurde die jährliche Fortbildungsreihe vom Max-Mannheimer-Studienzentrum für pädagogische Fachkräfte gefördert, die dieses Jahr den Titel „Diskriminierungsfrei?“ trug und sich mit den Themen Antisemitismus, Rassismus, Queerfeindlichkeit und Sexismus in Schule und Jugendarbeit auseinandersetzte und den Fachkräften neben theoretischen Kenntnissen insbesondere Handlungsoptionen an die Hand gab.
Ein weiteres gefördertes Projekt ist „Aktiv gegen Extremismus“ (Gesellschaftswissenschaftliches Institut München e.V.), das speziell für Schulklassen konzipiert wurde. In Workshops wurden junge Menschen von jungen Menschen für demokratische Werte sensibilisiert, extremistische Narrative hinterfragt und gesellschaftliche Vielfalt gestärkt.
Darüber hinaus erhielt das Selbstbehauptungstraining „Stark wie ein Löwe“ von Iriet Yusuf Unterstützung, das an der Mittelschule Dachau Süd Schüler*innen helfen sollte, einen respektvollen und selbstbewussten Umgang mit Konflikten, Ausgrenzung und gruppendynamischen Herausforderungen zu entwickeln.
Auch das Projekt „Inner Warrior“ wurde gefördert, das an der Mittelschule Karlsfeld Kampfsport mit psychologischer Expertise verbindet. Ziel ist es, Techniken zur Selbstregulation und Gewaltprävention nachhaltig zu vermitteln, Aggressionen gezielt zu kontrollieren und so zu gesellschaftlicher Integration beizutragen.
Mehrere Projekte legten 2025 den Fokus auf inklusive Teilhabe. So wurde das Programm „Vielfalt feiern“ unterstützt, eine Kooperation zwischen der Jugendarbeit Odelzhausen und Wiege Odelzhausen. Hier kamen Kinder und Jugendliche mit und ohne Behinderung durch Musik, Tanz und Theater zusammen, wobei interaktive Workshops, Mitmach-Theater und ein Kinder-Rockkonzert das Gemeinschaftsgefühl stärken. Zudem fand wieder das Inklusive Sportfest „Platz für Vielfalt“ beim SV Gündning e.V. statt, das Jahr für Jahr mehr Besuchende und Mitwirkende anzieht und ein starker Impuls für das selbstverständliche Miteinander im Landkreis ist.
Manuel Liebig meint dazu: “Die geförderten Projekte setzen ein klares Zeichen für Demokratie, Toleranz und Vielfalt. Wir sind weiterhin mit einer hohen Nachfrage an Fördergeldern konfrontiert, die von einer großen Bereitschaft zum Engagement, aber auch von einem großen Bedarf an Projekten für den gesellschaftlichen Zusammenhalt zeugt. Die Förderung der Zivilgesellschaft muss trotz schwieriger Haushaltslagen oberste Priorität haben. Sie legt den Grundstein für eine funktionierende Demokratie – ohne Ausgrenzung und mit der Möglichkeit zur Teilhabe aller.”
Mit der Projektförderung und Aktivitäten der Partnerschaft für Demokratie sollen alle Menschen im Landkreis ermutigt werden, sich aktiv an der Gestaltung einer offenen und toleranten Gesellschaft zu beteiligen.


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Manuel Liebig
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